Erzingen im Überblick
 
Geografische Lage: 48° 15' nördliche Breite
08° 49' östliche Länge

Geografische Lage in der BRD



 

 


Stadtteile von Balingen
einschließlich Geislingen
 

Höhe: ca. 575m ü. NN
Markungs-/Gesamtfläche: 938 ha
Einwohner: 792 (Stand 31. Dez. 2008)
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk:

Südwürttemberg-Hohenzollern

(Tübingen)
Region: Neckar-Alb
Landkreis: Zollernalbkreis
Kreisstadt: Balingen
Autokennzeichen: BL
Postleitzahl: 72336
Vorwahl: 07433
Wappen: Die Blasonierung des Wappens von Erzingen zeigt im goldenem Schildhaupt eine rechts gerichtete schwarze Hirschstange. Darunter ein silbernes Mühleisen auf schwarzem Grund.
Erklärung: Das Schildhaupt zeigt die Zugehörigkeit zu Württemberg. Das Mühleisen ist das Wappen der Herren von Erzingen aus dem 13. und 14. Jahrhundert.
Ortsvorsteher:

- Manfred Sautter (seit 2009)
- Herbert Reuß (1990-2009)


Erzinger Wappen




Luftbildaufnahme von Erzingen
inkl. Hungerberg und Bronnhaupten

(Für Großaufnahme auf Bild klicken)

 

 


Geschichtliches von Erzingen

Erzingen besteht heute  aus drei unterschiedlichen Ortsteilen: dem Hauptort, dem Hungerberg und der Staatsdomäne Bronnhaupten.


Im 6. Jahrhundert entstehen zwei Siedlungsorte, das spätere Erzingen und ein weiterer später Erzingen zugeschlagener Ort namens Böllingen. Im Jahr 1225 wird Erzingen erstmals urkundlich erwähnt. Ortsadel, sind die Herren von Arcingin. Erzingen gehörte zur Herrschaft Schalksburg und kam 1403 an Württemberg. Im Jahr 1452 wird Erzingen durch einen Brand zerstört und besteht im Jahr 1447 aus 24 Häusern mit rund 150 Einwohnern. Der im 15. und 16. Jahrhundert erwähnte Flurname "Burckgraben" deutet auf eine wahrscheinlich in der Nähe der Kirche gelegene Burg hin. Aus dem 14. Jahrhundert stammt die idyllisch gelegene Marienkapelle. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der Ort etwa 160, im Jahr1820 rund 570 und im Jahr 1900 genau 484 Einwohner.

 

Bronnhaupten wurde 1140 als Brunnohoubiton erstmals erwähnt. Die Grundherrschaft lag bei der Herrschaft Kallenberg, mit der die Siedlung 1381 an Österreich gelangte. Im 15. Jahrhundert war das Dorf verödet. Die Güter wurden vom Rittergut Geislingen erworben. Die Herrschaftsrecht wurden 1591 von den Truchsessen von Waldburg erworben. Ab 1598 war Bronnhaupten vorübergehend Herrschaftssitz. Im 17. Jahrhundert erwarb Württemberg alle Rechte. Ab 1703 war es Rentkammergut und unterstand der Verwaltung in Balingen. 1852 wurde es nach Erzingen eingegliedert.

 


St. Georgskirche Erzingen, evangelisch
(spätgotischer Chor mit Langhaus von 1833)

Der Bau der Eisenbahnstrecke Rottweil - Balingen im Jahre 1911 brachte Erzingen den Anschluss an das Schienennetz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden einige kleine Industriebetriebe.
Erzingens Eingliederung in die Stadt Balingen erfolgte am 01. September 1971. Danach wurden wichtige infrastrukturelle Maßnahmen durchgeführt.


Beispielsweise wurde die Ortsdurchfahrt ausgebaut, ein neuer Sportplatz angelegt, eine Mehrzweckhalle erstellt sowie viele innerörtliche Straßen im Rahmen der integralen Dorfentwicklung verbessert. Erzingen wurde für diese Bemühungen im Jahr 1993 Kreissieger im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden"
Drei Neubaugebiete, von denen das letzt gerade erschlossen wird, sorgen dafür, dass sich der ursprünglich hauptsächlich landwirtschaftlich geprägte Ort mehr und mehr in einen schwerpunktmäßig dem Wohnen dienenden Stadtteil wandelt.

 

 

Würdigung der Ortschaft Erzingen im Rahmen des Wettbewerbes „Unser Dorf soll schöner werden“
 

Der Balinger Ortsteil Erzingen hat sich von einem ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einem Wohnort entwickelt, der Stadtnähe und ländliche Umgebung vereint.

Ortschaftsverwaltung und Stadtplanungsamt haben diese Entwicklung in ihren Planungen berücksichtigt und die dörfliche Struktur erhalten. Im Altort ist es gelungen, die ältere Bausubstanz zu erhalten und mit jungem Leben zu erfüllen. Das Neubaugebiet setzt sich mit einem Streuobstgürtel und einem Bachlauf vom Altort ab, wobei der Geischberghalle als verbindendem Element eine wichtige Rolle zukommt. Dieser Grünzug sollte auf Dauer erhalten bleiben. Gewerbeflächen werden lediglich für den Eigenbedarf eingesetzt, um den dörflichen Charakter zu erhalten. Durch die unmittelbare Nähe zur Stadt sind Lücken in der Grundversorgung entstanden, die über Nachbarschaftsdienste ausgeglichen werden.

Die überaus regen Vereine arbeiten sehr gut miteinander zusammen. Der ‚Tag der Vereine‘ dient den Neubürgern als Orientierung im Ort. Regelmäßige Feste wie das Geischbergfest und das Mostefest des Obst- und Gartenbauvereines sowie das Erzinger Rockfestival des evang. Jugendkreises sind weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Besonders positiv hervorzuheben sind die in Eigenleistung erstellten naturnahen und erlebnisorientierten Kinderspielplätze, die sowohl für Kinder als auch deren Eltern beste Voraussetzungen bieten.

Für ortsbildprägende Bauten konnten sinnvolle Nutzungen gefunden werden. Die örtliche Mosterei des Obst- und Gartenbauvereines ist in der ehemaligen Zehntscheuer bestens untergebracht. Sie dient als wichtiger Beitrag zur Erhaltung des heimischen Streuobstbaues. Viele ältere Gebäude sind dorfgerecht renoviert.

Erzingen ist sehr gut durchgrünt. Viele Häuser zeigen herrlichen Blumenschmuck und vielseitige Gärten. Biotop und Weinberg des Obst- und Gartenbauvereines haben sich zu Anziehungspunkte für Naturliebhaber entwickelt. In Erzingen ist es gelungen, das Naturerlebnis in den gesamten Ort zu bringen.

Der Ort fügt sich gut in die umgebende Landschaft ein. Die vorhandenen Streuobstwiesen wurden durch zahlreiche Neupflanzungen ergänzt, deren Pflege heute allerdings eine Herausforderung darstellt. Gut eingegrünt sind die Gebäude am Hungerberg sowie der Bronnhaupter Hof.

 

 

Erzingen im 2. Weltkrieg
 

Im Albvorland steht der Ölschiefer des Lias epsilon auf etwa 150 Kilometer Länge über Tage an. Wegen der häufigen Funde der Muschel Posidonomya Bronni bezeichnet man ihn als Posidonienschiefer. Sein Abbau und seine Nutzung haben eine lange Geschichte.

 

 

Ein Versuch zeigt, wie leicht der Ölschiefer brennt und wie man Öl daraus gewinnen kann. Die Brennbarkeit des Gesteins kann dazu führen, dass kleine Lagerfeuer Schwelbrände verursachen, die dann nur schwer wieder zu löschen sind.
Der spezifische Schwefelgehalt in Bezug auf die Brennsubstanz kann bis zu 10 % betragen.
Der Heizwert in Bezug auf die Rohsubstanz liegt zwischen 4 und 8 MJ/kg.

 


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten die Nationalsozialisten im sog. „Unternehmen Wüste“ aus den Ölschiefervorkommen der Schwäbischen Alb Mineralöl für Panzer und Flugzeuge zu gewinnen. Das Unternehmen Wüste war Hitlers letzte Hoffnung Treibstoff zu erhalten, da die Benzinvorräte durch die Bombardierung der Energieversorgungszentren stark dezimiert waren.  Es brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Das Öl war so minderwertig, dass es nur in speziellen Motoren verbrannt werden konnte. Außerdem war das angewendete Meilerverfahren uneffektiv; um eine Tonne Öl zu gewinnen benötigte man 35t Schiefer. Bis Kriegsende wurden trotzdem ca. 1500t
Öl gewonnen.
Im  Vorland der Schwäbischen Alb wurden zehn Ölschieferwerke gebaut. In unmittelbarer Nähe entstanden sieben Konzentrationslager. Der Abbau des Schiefers wurde durch KZ- Häftlinge in Zwangsarbeit geleistet. Im gesamten Ölschiefergebiet wurden 3500 Häftlinge zu Tode geschunden. (vgl. Artikel
KZ Bisingen; dort auch Informationen über die Arbeitsbedingungen).

Fossil Bositra buchii

Posidonienschiefer am Beginn des geologischen
Lehrpfads auf den Hesselberg.
 

Bei Erzingen setzte man solche Schwelbrände früher absichtlich ein. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Meiler aufgeschüttet, um Öl zu gewinnen.
Einer der Überlebenden, Charles Hausemer, erzählt von seiner damaligen Arbeit und den unerträglichen Bedingungen. Helge Norseth, auch ein ehemaliger KZ-Häftling, erklärt die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens.

Posidonienschiefer:
Der Begriff Posidonienschiefer ist irreführend, da das so benannte Gestein weder Posidonien enthält, noch ein Schiefer ist. Die mutmaßliche Schieferung kommt lediglich durch eine sehr fein laminierte Sedimentschichtung zustande. Ursprünglich wurde das Gestein nach einer häufig darin vorkommenden Muschel benannt, die früher den Namen Posidonia bronni trug. Aufgrund der Namensgleichheit mit einem Fossil aus dem Karbon wurde der Name jedoch auf Bositra buchii abgeändert.
Das Gestein, das dem Lias ε zugeordnet wird, ist schwarz und bituminös und ist bekannt für seine außergewöhnliche Fossilerhaltung. Man findet aufgrund des sauerstoffarmen und teilweise anoxischen Milieus zur Zeit der Ablagerung sehr gut erhaltene Seelilien, Ammoniten, Fische und spektakuläre Ichthyosaurier. Die bekanntesten Fundstellen liegen dabei in der Umgebung von Holzmaden.

 

 

 

Söhne und Töchter der Gemeinde Erzingen:
 

Philipp Nicodemus Frischlin

 (* 22. September 1547 in Erzingen heute Ortsteil von Balingen, † 29. November 1590 in Hohenurach) war ein späthumanistischer Philologe, neulateinischer Dramatiker und Lyriker.

Leben:
Frischlin war Sohn eines Pastors. Er wuchs in der Schwäbischen Alb auf und war Schüler verschiedener evangelischer Klosterschulen und Stipendiat des Tübinger Stifts. In Tübingen studierte er 1563 Philologie, Poesie und Theologie, wo er 1568 Professor für Poesie und Geschichte wurde. Kure Zeit später heiratete er Margarethe Brenz. 1576 wurde er von Rudolf II. zum Dichter gekrönt (Poeta laureatus, Comes Palatinus). Wegen Unstimmigkeiten mit seiner Fakultät (vor allem mit Martin Crusius) und seiner stark kritisierten Schrift "Oratio de vita rustica" 1578 verließ er Tübingen. 1582-1584 war er Schulrektor in Laibach (heute Slowenien). 1584/85 lebte er in Straßburg. Wegen eines drohenden Ehebruchsprozesses führte er ein unstetes Wanderleben und kam u. a. nach Prag und Wittenberg. Seit 1588 war er Leiter der Lateinschule in Braunschweig.

 

Nachdem er von der württembergischen Regierung die Herausgabe der Mitgift seiner Frau verlangt hatte, wurde er 1590 verhaftet und auf der Festung Hohenurach eingekerkert. Bei einem Fluchtversuch in der Nacht vom 29. auf den 30. November 1590 stürzte er ab und brach sich das Genick.
Frischlin galt als lebenslustiger Querdenker. Er war ein radikaler Verfechter des Protestantismus.

Werke:
- "Hymnen und Epigramme des Kallimachos", Übersetzung, 1571
- "De studiis linguarum et liberalium artium", 1575
- "Rebecca", biblisches Drama, 1576
- "Oratio de vita rustica", 1578
- "Priscianus vapulans", 1578
- "Hildegardis Magna", Drama, 1579
- "Frau Wendelgard", deutschsprachige Komödie, 1579
- "Dido", Tragödie, 1581
- "Venus", Tragödie, 1584
- "Julius Caesar redivivus", 1585
- "Helvetiogermani", Drama, 1589
- "Dialogus logicus contra Ramum", 1590
- "62 Facetiae", 1600

 

 

Links zu Vereine und Kontakte aus Erzingen: